Le Web 3.0 – ein Desaster für den Veranstalter? Auf jeden Fall Ursache für einen “blogstorm”


Eigentlich war ich traurig! Traurig und ein bisschen enttäuscht, dass ich es nicht geschafft habe, zu der großen Bloggerkonferenz in Paris, Le Web 3.0 zu fahren.

Der maßgebliche Veranstalter Monsieur Le Meur, Chef des großen Bloghosters Six Apart hatte einen excellenter Job getan. Nur durch Mund zu Mund Propaganda (und natürlich über das Web) hatte er es geschafft, 1.000 Teilnehmer nach Paris zu holen. Der Preis pro Teilnehmer lag bei ca. 300 Euro.

Das Schöne am Bloggen – man kann auch teilhaben, ohne dabei zu sein. Also verfolgte ich die Einträge auf den verschiedensten Blogs. Freute mich über die gute Stimmung am Vorabend der Konferenz. Und war immer noch ein bisschen traurig, nicht dabei zu sein.

Dieses Gefühl änderte sich schlagartig, als ich am Dienstag, dem 12. Dezember Abends in verschiedenen Blog-Einträgen las, dass Le Meur die Veranstaltung mißbraucht hatte, um französischen Spitzenpolitikern eine Plattform für Ihren Wahlkampf um die Präsidentschaft zu geben (Nicolas Sarkozy und François Bayrou).

Jetzt war ich froh darüber, 300 Euro plus wahrscheinlich mehr als das Doppelte für Reise- und Unterkunftskosten gespart zu haben.

Diese Freude änderte sich in Entsetzen und Staunen, als ich die Blogeinträge verfolgte, in denen die Enttäuschungen und Reaktionen der Teilnehmer zum Ausdruck gebracht wurden. Hier bekam der Veranstalter sein Fett weg. Volle Kante und volle Breitseite.

  • Das Ganze gipfelte (m.E.) bisher darin, dass Le Meur Sam Sethi, der für TechCrunch UK schrieb ein “Arschloch” (asshole) nannte, auf einem Kommentar auf dem TechCrunch Blog.

Soweit so gut (oder schlecht). Doch es kommt noch schlimmer.

  • Der Kommentar wurde auf dem TechCrunch Blog gelöscht.
  • Le Meur entschuldigte sich in einem späteren Kommentar, diese Entschuldigung blieb stehen.
  • Sam Sethi wurde von TechCrunch gefeuert.
  • Sein persönliches Blog (dummerweise) bei Six Apart gehostet, ging vom Netz.

Ob so die vielgerühmte Meinungsfreiheit in der Blogosphäre aussieht?

Nach meinen derzeitigen Einschätzung haben sich da einige Herren einen gewaltigen Bärendienst erwiesen.

Tom Morris schließt seinen Beitrag mit folgender Empfehlung:

“It looks like TechCrunch UK may be needing new staff. If you want to stop having opinions and start obeying the party line, I’m sure you can figure out a way of contacting Mike Arrington.”

Wer mehr Infos habe möchte, die Blogs werden sicherlich voll davon sein.
Da ich bisher (heute morgen) nur englische Blogs gelesen habe, hier die ersten Quellen-Angabe zu den englischen Blogs. Deutsche Blogs werde ich nachtragen, Robert und andere werden sicherlich dabei sein.

Tom Morris mit einer ganzen Anzahl von Verweisen und Kommentaren

TechCrunch mit dem Artikel der den weiteren Eklat scheinbar auslöste und der Entschuldigung von Le Meur

The Web Tyrant über den Rausschmiss von Sam Sethi

TechCrunch über den Rausschmiss und über das Löschen von Kommentaren

Das MarketingBog.eu mit einer guten Übersicht

Shel Israel, Co-Autor des Bestsellers Naked Conversations faßt die Dinge gut und neutral zusammen

Nachtrag 1: Hannes Treichl hat mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass Dieter Rappold auf seinem sierralog einen offenen Brief an Loic Le Meur geschrieben hat. Den habe ich tatsächlich vergessen, obwohl ich ihn als einen der ersten Posts gelesen hatte.

 

[tags]Le Web 3, Sam Sethi, blogstorm, Le Meur[/tags]

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Leserkommentare

Hallo Jörg,
schöne Zusammenfassung am frühen Morgen. Erspart langes Suchen. Hier schon mal ein Nachtraglink für dich. Das Gute daran: Dieter kann sich höchstens selber feuern :-)

Danke Hannes!

Was eine bitterböse Groteske! Le web 3.0 dann doch als 0815 ?!
Im London der frühen 90er ersang sich Nicolette mit Ihrem Song “No Government” (absolout hörenswert und macht supergute Laune) generelles Auftrittsverbot..

Die Frage war und ist: wer braucht eigentlich Politiker?! Und Machtmißbraucher?! Le Meur, Le Pen, L´Angela etcetera…

Die Pariser Geschichte desavouiert wieder einmal mehr, was wir so “Demokratie” zu nennen pflegen… und Wahl-Krampf… hehe, aber nicht mit uns Bloggern.
Wie gut, daß es blogstorms gibt. Die Gedanken sind frei.
Danke für den Artikel!



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