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Stephen R. Covey: "The 7 habits of highly effective people"

deutscher Titel: "7 Wege zur Effektivität"

(New York 1989)
 

Übersicht: Gut strukturiert und theoretisch weit besser fundiert als beispielsweise Dale Carnegie. Einige Begrifflichkeiten sind eingängig und tatsächlich auch gut brauchbar (etwa Proaktivität, P-PC Balance oder auch Quadrant-II-Strategie). Die 7 Wege haben eine gut durchdachte hierarchische Binnenstruktur: 1-3 als Wege zur Independenz, 4-6 als Wege zur Interdependenz und 7 als Pflege der Kraftquellen. Covey selbst übertreibt es dabei aber recht deutlich mit seinen Wochenplänen, seinen Familienhauptversammlungen und seiner Durchorganisiertheit.

"Psych-up", kurzfristiges Aufputschen oder Notpflastern, ist nicht das Ziel Coveys (was sagt man wohl zu "psych-up" auf deutsch?!). Er zielt gewissermaßen auf Kapital und nicht auf Profit ab, auf Arbeit an langfristigen Einstellungen also und nicht auf kurzfristige, aber auch kurzsichtige Erfolgstechniken.

Persönlichkeitsethik - mit den Bestandteilen Positives Denken und Beziehungstechniken - ist dasjenige oberflächliche Ziel der Erfolgsliteratur seit 1920, das Covey zugunsten einer Charakterethik verabschieden möchte. Diese beinhaltet Werte wie Integrität, Treue, Ehrlichkeit, Mäßigung, Mut, Gerechtigkeit, Geduld, Bescheidenheit und Einfachheit (18). Für eine solche Charakterethik ist langfristige Arbeit angesagt: "farming" mit geduldiger Arbeit, die erst nach langer Zeit mit der Ernte belohnt wird, ist dem "schooling" vorzuziehen, dem kurzfristigen Lernen zum Bestehen eines Tests. George Jordan: "Jedem Menschen ist für Gutes wie für Böses eine unglaubliche Kraft in die Hände gegeben - der stille, unbewusste, unbemerkte Einfluss seines Lebens." (23). 

Die Kraft unserer "Paradigmen", der Brille also, mit der wir Sachen wahrnehmen und werten, will Covey bewusst machen, symbolisch vorgeführt an der "Gestalt" einer jungen/ alten Frau. Charakterethik ist die Arbeit an unseren Paradigmen, an der Wurzel unseres Charakters also und nicht bloß an den Blättern. Die formale Umschreibung lautet "Prinzipienorientierung" (32): .Einüben von Selbstzwecken, könnte man auch sagen, anstelle bloßer Mittel zum Zweck. Einige Selbstzwecke sind: Fairness, Integrität, Ehrlichkeit, Würde, Exzellenz usw. Prinzipien sind mehr als Werte: Sie haben eine normative und nicht bloß eine subjektive Dimension.

"Säe einen Gedanken, ernte eine Handlung. Säe eine Handlung, ernte eine Gewohnheit. Säe eine Gewohnheit, ernte einen Charakter. Säe einen Charakter, ernte ein Schicksal" (46).

Abhängigkeit: "Du" 
Unabhängigkeit (Independenz): "Ich"
Wechselseitige Abhängigkeit (Interdependenz): "Wir"

Interdependenz ist die stolzüberwindende Einsicht, dass Kooperation für alle Seiten besser ist (51). Gleichwohl ist Independenz Möglichkeitsbedingung für Interdependenz: "Privater Erfolg geht dem öffentlichen voraus".

Die goldene Gans aus einer Fabel Aesiops legt goldene Eier. Der gierige Bauer, der sie schlachtet, findet - nichts. Die Moral von der Geschichte, auf die übrigens auch Brechts "Guter Mensch von Sezuan" hinausläuft: Produktion und Produktionskapazität PC sind in der Balance zu halten ("P/PC-Balance").

Gewohnheit I: Proaktivität: Proaktivität ist der genutzte Raum zwischen Reiz und Reaktion. Viktor Frankls zentrale Erkenntnis im KZ war, daß er immer noch entscheiden konnte, wie die Umgebung ihn beeinflußte, und sich somit eine innere Freiheit bewahren konnte (69). Nach Covey sind Elemente proaktiver Freiheit: Selbstbewußtsein, Vorstellung, Bewusstsein und freier Wille. Auch er umschreibt übrigens "responsibility" als "response-ability". Frankl benennt drei Dimensionen menschlichen Lebens: Erfahrung, Kreativität, Einstellung. Die erste ist als Passivität gedacht, die letzte wird von ihm am höchsten gewertet. Covey hält auch die Liebe für etwas aktiv Erlangbares (80).

Das Gebiet unseres Einflusses ("circle of influence") möchte Covey vergrößern, bis es sich mit dem Gebiet dessen, was uns angeht ("circle of concern") deckt. Verantwortung heißt dabei übrigens auch, den letzteren nicht größer werden zu lassen als den ersteren (kann man als Unterscheidungskriterium zwischen Macht und Verantwortung nehmen). Proaktivität heißt auch, Fehler sofort zu erkennen, einzugestehen und daraus zu lernen.

Gewohnheit II: Zielklarheit:  Stufen auf der Leiter zu erklimmen nützt nichts, wenn die Leiter an der falschen Wand steht. "Management is doing the things right, leadership is doing the right things" (101). Eine Weise, sich Klarheit zu verschaffen, ist die "persönliche Aufgabenbestimmung" - eine Technik, die auch im Rahmen einer Institution Wunder bewirkt (141ff.; "no involvement - no commitment"). Zentral im privaten Bereich ist dabei die Frage, was man in den Mittelpunkt seines Lebens stellt: Partner, Familie, Geld, Arbeit, Besitz, Vergnügen, Freunde, Feinde, Kirche, sich selbst. Covey schlägt vor, Prinzipien zu seinem (Meta)-Zentrum zu machen (122; klingt etwas harsch). Diese Prinzipien sind Frankl zufolge eher zu entdecken als zu erfinden.

Gewohnheit III: Wichtiges zuerst: Zeitmanagement ist im Wesentlichen Prioritätensetzung. Die erste Generation des Zeitmanagements arbeitete mit Notizen und Checklisten, die zweite mit Terminkalendern, die derzeitige dritte mit Werteklärung und Prioritätenfestsetzung. Die von Covey anvisierte vierte Generation ist das Management von uns selbst und nicht nur von unserer Zeit.

 

Dringendes

Nicht Dringendes

Wichtiges

I

II

Nicht Wichtiges

III

IV

Quadrant I ist das uns meistens in Anspruch Nehmende: Krisen, dringende Probleme, feste Termine. Coveys Ziel ist es, den Quadranten II zu kultivieren. Nach Drucker wechselt dabei die innere Einstellung von der Problem- zur Möglichkeitsorientiertheit (154): Es wäre vergeudete Kraft, ständig nur Feuerwehr zu spielen und nicht die sich ergebenden Aufgaben und Probleme zu nutzen, um an seinen langfristigen Plänen, Einstellungen und Fähigkeiten zu arbeiten (.heißt: Zu Erledigendes zum Lernen benutzen). Prinzipienorientierung ist dabei die Voraussetzung dafür, den Quadranten II auszubauen: "Der Schlüssel ist nicht, dasjenige zu priorisieren, was auf dem Plan steht, sondern die Prioritäten zu planen" (161). Prioritäten sind dabei im Rahmen der einzelnen Rollen festzulegen und in Wochenpläne umzusetzen (.fürchterlicher Gedanke).

Delegation ist das effektivste Instrument, das es gibt (171). Die höchste Form der Motivation ist Vertrauen (!).

Gewohnheit IV: Gewinner/Gewinner-Denken:  Das emotionale Bankkonto sollte immer gut gefüllt sein (...). Einzahlungen auf dieses Konto (...) sind: Verständnis, Aufmerksamkeit, Zuverlässigkeit, Erwartungsklärung, Integrität, Fähigkeit zur Entschuldigung.

Gewinn/Gewinn-Denken ist Kooperation, Gewinn/Verlust-Denken ist Konkurrenz und Autorität. "Lerner-kontrollierte Anweisungen" sind beispielsweise den "system-kontrollierten Anweisungen" vorzuziehen (225). Dem Manager kommt dann die Rolle eines "Hasens" beim Rennen zu: Tempo vorgeben, laufen lassen. "Win/Win or No Deal" ist das Höchste.

viel Vernunft

Lose/Win

Win/Win

wenig Vernunft

Lose/Lose

Win/Lose

 

wenig Mut

viel Mut

 

 

Gewohnheit V: Verstehen vor Verstandenwerden:  Verstehen setzt empathisches Zuhören voraus. Auch sollte dem Anderen Raum gelassen werden - für seine Meinungen, Ansichten und Argumente. Ethos, Pathos, Logos war angeblich die Philosophie der Griechen (255) - was eben heißt, dass die Haltung der Integrität (Ethos) und das empathische Zuhören (Pathos) der bloß rationalen Seite der Auseinandersetzung (Logos) vorangehen.

Gewohnheit VI: Synergie:  1+1 ist 3 oder mehr: Die Summe ist größer als die Teile. Vorbedingungen sind Vertrauen und Kooperation (270). Vertrauen, Verständnis, Kooperation: Das sind Voraussetzungen einer Auseinandersetzung, die nicht in Konfrontation mündet. In kooperativer Atmosphäre entstehen synergistische Lösungen, auf die beide Parteien alleine wohl nicht gekommen wären (vgl. Synthese in der Dialektik).

Gewohnheit VII: Säge schärfen: Erneuerung und Erholung sind wichtig: Physisch, sozial, spirituell, mental. Physisch kommt Covey hier mit Fitness, Körpergewicht und Blutdruck. Spirituell zitiert er Martin Luther: "Ich habe heute so viel zu tun, ich werde noch eine Stunde auf den Knien verbringen" (294). Mental empfiehlt er gute Lektüre. Diese Bereiche befruchten sich natürlich gegenseitig. Covey empfiehlt, sich eine Stunde täglich um sich selbst zu kümmern.

Für die konkrete Umsetzung gibt Covey noch das konkrete Beispiel eines Tagesprogramms, das er gemäß seinen eigenen Quadrant-II-Prinzipien umgestaltet: Eine ungenügend durchorganisierte Vorstandssitzung sollte zum Anlass genommen werden, die Planung von Vorstandssitzungen zu diskutieren. Ein ausstehender Anruf sollte sofort geschehen. Das Mittagessen mit dem Chef sollte zum Ausbau der guten Beziehung genutzt werden. Für das Medienbudget sollten die Arbeiten delegiert werden - eventueller Anlernaufwand lohnt sich. Auch für den Postkorb sollte die Sekretärin angelernt werden. Die Besprechung der Verkaufszahlen könnte zu grundlegender Reflexion über Verkaufsprinzipien und Erfolg genutzt werden. Die Lektüre von Fachzeitschriften könnte systematisch auf die Belegschaft verteilt werden. Die Verkaufsversammlung für nächsten Monat könnte von anderen hinsichtlich der Prinzipienarbeit synergetisch vorbereitet werden. Insgesamt zeichnen sich die Quadrant-II-Tätigkeiten durch Delegation, Training und Vorbereitung aus. Langfristig werden dadurch Quadrant-I-Aktivitäten immer seltener

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