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George Leonhard: "Der längere Atem. Die 5 Prinzipien für langfristigen Erfolg im Leben"

(München 1991)

Überblick: Ein wohltuend tiefgängiger Ratgeber, der sich von der üblichen Motivationsdusche nach dem Motto Du-schaffst-alles-wenn-Du-nur-willst abhebt. Leonard verallgemeinert seine hauptsächlich aus dem Aikido gewonnen Einsichten über den Weg der Meisterschaft und übertragt sie auf andere Lebensbereiche. Jahrelanges Reifen, ständige Wiederholung, Liebe zur Sache und zum Schüler sind seine wichtigsten Positionen. Erst gegen Ende verflacht das Niveau etwas (Teil 3), wenn Leonard nicht mehr aus seinem Leben erzählt, sondern 08/15-Ratschläge zu einem rundum gelungenen Leben gibt.

Verschwörungstheoretischer Ansatz: Die gegenwärtige (amerikanische) Gesellschaft unterstützt kurzfristig orientiertes Konsum- und Erfolgsverhalten und untergräbt somit die viel sinnvollere Kultur einer langwierigen Arbeit an sich selbst. Der "Weg des Meisters" wird zugeschüttet von der durch Werbung und Medien verbreitete Illusion, das Leben bestehe aus einem Konsum-Höhepunkt nach dem anderen. Bis hin zu Drogen wird überall nur schnelle Befriedigung angestrebt. Leonard ironisch: "Kein Problem ist so schwierig, daß es nicht im Handumdrehen mit einem Revolver gelöst werden könnte". Leonard bringt das Beispiel der Medizin: Eher finden Bypass-Operationen noch und nöcher statt, als daß einem der Arzt einen gesünderen Lebenswandel beibringt. "Die Resultate siegen über den Prozeß".

7 Formen der Intelligenz nach Howard Gardner: linguistische, logisch-mathematische, musikalische, räumliche, körperlich-kinästhetische, intrapersonale und interpersonale.

Die "typische Lernkurve" ist etwas flacher als bei Jörg. Gegenstücke zur "Kurve der Meisterschaft" sind der Dilettant, der Fanatiker und der Phlegmatiker. Der Dilettant ist mit Hurra dabei, verliert aber schnell die Lust. Der Fanatiker handelt überstürzt und sucht den schnellen Erfolg. Der Phlegmatiker bleibt bei der Sache, aber ohne wirkliches Interesse an Weiterentwicklung. Nur der "Weg des Meisters" kennt die Liebe zum Plateau: "Das Plateau lieben heißt, das ewige Jetzt zu lieben, die unausweichlichen Vorwärtssprünge zu genießen und die Früchte der Anstrengung zu ernten, um dann still das neue Plateau zu akzeptieren, das bereits auf uns wartet".

Freude als Weg: Die Liebe zur Sache und zur Tätigkeit sollte Leonard zufolge im Vordergrund stehen und nicht bloß das Endergebnis. Gerade im Sport werden aber nur die Gesichter der Verlierer und der Gewinner in Großaufnahme gezeigt – selten aber das eines in seine Tätigkeit glücklich versunkenen Sportlers. Der Meister hingegen "nimmt die Belohnungen gerne an, die am Wegesrand auf ihn warten, aber sie sind nicht der Hauptgrund seiner Reise".

Die 5 Prinzipien der Meisterschaft:

  1. Unterweisung: Suche einen guten Lehrer! Liebe Deine Schüler! Benutze Ermutigung und Kritik in ausgewogenem Maße! Beharrlichkeit und Fleiß sind Voraussetzungen für Meisterschaft, die häufig gerade bei den Talentierten fehlt.
  2. Übung (Wiederholung)
  3. Hingabe (Kultivierung des Anfängergeistes)
  4. Intention (meint die mentale Kraft)
  5. Des Messers Schneide (unklarer Exkurs über Risikobereitschaft)

"Wie lange werde ich brauchen, um Aikido zu beherrschen?" – "Wie lange werden Sie leben?"

Mit Czikszentmihalyi würde Leonard sich gut verstehen: Auch dieser zieht das alltägliche, aber beständige Glück dem kurzfristigen "Kick" vor. Leonard: "Die Ursache der Langeweile liegt in der zwanghaften Suche nach etwas Neuem. Doch die wahre Befriedigung läßt sich in der aufmerksamen Wiederholung finden, in der Entdeckung eines unendlichen Reichtums in der feinen Variation eines vertrauten Themas" (81).

Östliches Sprichwort: "Vor der Erleuchtung hackt man Holz und holt Wasser. Nach der Erleuchtung hackt man Holz und holt Wasser."

Kommentar: Leonard macht dasjenige transparent, was die spirituellen Praktiken östlicher Lebensformen auszeichnet, und vermittelt einem wirkliche Lust auf Lernen und auf den längeren Atem!





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